Donnerstag, 11. Dezember 2014

Maude Adams - Das Mädchen, das Peter Pan wurde

Maude Adams in "L'Aglion", ca. 1900
Maude Adams kommt am elften November 1872 als Maude Ewing Adams Kiskadden in Salt Lake City zur Welt. Sie ist die Tochter der Schauspielerin Annie Adams, deren Familie schon mit der Mayflower nach Amerika gekommen war, und des schottischstämmigen James Kiskadden, der in einer Bank arbeitete und verstarb, als Maude noch sehr klein war. Auf der Seite ihrer Mutter stammt Maude aus einer mormonischen Familie, wobei nicht geklärt ist, ob Maude selbst mit der Religion aufgewachsen ist. Nach eigenen Angaben war ihr Vater nicht religiös. 

Schon als Kind war Maude auf der Bühne zu sehen: Obwohl ihr Vater dagegen war, nahm ihre Mutter Maude oft mit und bald stand Maude selbst als Kinderschauspielerin im Rampenlicht. Schon mit fünf Jahren war sie in San Francisco, nach einer Tour mit einer Schauspielergruppe durch den amerikanischen Westen, zu sehen. Die meiste Zeit spielte sie in Kalifornien, stand jedoch auch in New York City auf der Bühne. Später kehrte sie nach Salt Lake City zurück, wo sie bei ihrer Großmutter lebte und zur Schule ging. Maude Adams hat später gesagt, dass es ihr als Kind schwer gefallen sei ihre eigene Persönlichkeit zu entdecken, da sie seit sie denken konnte immer wieder in andere Kinderrollen schlüpfte. 

New York: Aufstieg eines Kinderstars 

Den Durchbruch erlangte die ehemalige Kinderschauspielerin im Alter von sechzehn Jahren, als sie nach New York City zurückkehrte. Nach kleineren wie größeren Rollen in verschiedenen Stücken, wurde sie von Charles Hoyt entdeckt, der ihr eine Rolle in "The Midnight Bell" gab, einem Stück, das auf dem gleichnamigen Schauerroman basiert. Das Publikum liebte Maude ihrer Ausstrahlung wegen und Hoyt bot ihr daraufhin einen Vertrag an, den sie jedoch ablehnte. Sie entschied sich für das Angebot des Produzenten Charles Frohman, der ihr ihre ersten Hauptrollen gab und sie erwachsene Frauen spielen ließ, während sie zuvor bloß Jugendliche und Kinder hatte spielen können. Maude spielte die nächsten zehn Jahre ausschließlich für Frohman, der ihr teilweise Rollen auf den Leib schrieben ließ und erkannt hatte, dass er einen neuen Star gefunden hatte. Als sich John Drew, einer der beliebtesten Theaterschauspieler des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, entschloss auch für Frohman zu spielen, folgte eine jahrelange Zusammenarbeit zwischen ihm und Maude, die 1892 begann. 

Maude war zwanzig Jahre alt, als sie durch ihre Rolle in "The Masked Ball" an Drews Seite schlagartig zum Star wurde. Die meisten Leute kamen, um sich John Drew anzusehen, doch Maude spielte so überzeugend, dass das Publikum bloß von ihr sprach und selbst die Kritiken in den New Yorker Zeitungen anerkannten, dass Frohman eigentlich mit John Drew hatte werben wollen, aber Maude Adams die bessere Schauspielerin war und die Leute in die Vorstellungen lockte. Man sah Maude Adams dank ihres charmanten, lockeren Spiels bereits als neues Gesicht der amerikanischen Komödie. Die nächsten vier Jahre spielte sie sich an John Drews Seite in die Herzen der New Yorker Theatergänger, doch im Jahr 1896 wendete sich ihr Schicksal erneut. Kein geringerer als J. M. Barrie, der Autor des Kinderbuchklassikers "Peter Pan", saß im Publikum, als Maude als Dorothy im Stück "Rosemary" eine Glanzrolle spielte. Barrie, der sich zuvor noch geweigert hatte seinen Roman "The Little Minister" zu einem Theaterstück umzuschreiben, sah Maude und wusste sofort, dass sie perfekt war um die Hauptrolle des Romans zu verkörpern. 

Peter Pan: Die Rolle eines Lebens 

Maude als Peter Pan, 1906
Das Stück machte Maude so berühmt, dass sie nach über dreihundert Vorstellungen in New York und Boston allein im Alter von fünfundzwanzig Jahren Amerikas beliebteste, berühmteste Schauspielerin geworden war. Barrie gefiel Maudes Darstellung der Lady Babbie in "The Little Minister" so sehr, dass er 1905 dafür sorgte, dass sie die Hauptrolle in seinem Stück "Peter Pan" spielen sollte: Peter Pan selbst. Es ist die Rolle, die noch heute am ehesten mit Maude Adams in Verbindung gebracht wird, obwohl sie bis 1916 unzählige Rollen spielte, unter anderem in weiteren Stücken von J.M. Barrie, aber auch Rollen wie Julia in "Romeo und Julia" oder Napoleon im Stück "L'Aglion", von dem uns eine ganze Reihe von wundervollen Werbefotografien erhalten sind, die Maude in ihrem Kostüm zeigen. Eine davon könnt ihr oben sehen. 

"Peter Pan" wurde mehr als 1500 mal im "Empire" in New York aufgeführt und Maude Adams erhielt unter anderem einen Brief von Mark Twain, der ihr versicherte, dass kein Stück "Peter Pan" übertreffen könnte, solang sie den Peter spielte. Maude Adams wurde besonders von jungen Mädchen in ganz Amerika als Vorbild verehrt und geliebt und ähnlich wie heute viele dreimal ins Kino gehen, wenn ihnen ein Film besonders gut gefällt, gingen viele Jugendliche damals mehrmals in "Peter Pan", bloß, um Maude Adams noch einmal zu sehen. Es gab sogar richtige Fanartikel zu Maude zu kaufen. So konnten junge Mädchen Papierpuppen erstehen, die Maude zeigten, und der Puppe die Kleider, die Maude in ihren Stücken trug, anheften.

Maude Adams auf der anderen Seite war bekannt dafür sich sehr für ihr Publikum zu interessieren und hatte besondere Freude daran, wenn Kinder und Jugendliche Spaß an ihrem Peter Pan hatten. Einer Anekdote nach sorgte sie persönlich dafür, dass bestimmte Plätze bloß 50 Cent kosteten, damit Jugendliche es sich leisten konnten, sich das Stück anzusehen. Die Beliebtheit des Stücks dürfte für sich sprechen, doch es gab auch viele erwachsene Zuseher und Kritiker, die "Peter Pan" für reinsten Eskapismus und für sehr albern hielten. Doch für Kinder und für Erwachsene mit Phantasie blieb "Peter Pan", gespielt von Maude Adams, lange ein buntes, unvergessliches Spektakel. Interessant könnte sein, dass Maudes Zeitgenossen sie nicht für hübsch hielten. Viele Artikel in Magazinen wiesen auf ihre schiefe Nase hin und nannten sie zu dünn oder flachbrüstig. Obwohl Maude nicht den Schönheitsidealen ihrer Zeit entsprach, wurde sie trotzdem eine der größten Schauspielerinnen der goldenen Ära Amerikas. 

Der nächste große Schritt in Maude Adams' Karriere war die Rolle als Johanna von Orleans in einer amerikanischen Produktion von Schillers "Die Jungfrau von Orleans" im Jahr 1909. Maude Adams in ihrer Rolle als Johanna stand keinem geringeren als Alphonse Mucha für eines seiner berühmten Jugendstilbilder Modell. Das Bild wurde als Poster für das Stück verwendet und später auf Maudes Bitte hin im "Empire"-Theater in New York, ihrem Stammtheater, ausgestellt. Im Jahr 1916 zog Maude Adams sich im Alter von vierundvierzig Jahren von der Bühne zurück und trat bloß noch sporadisch auf. Maude Adams zog es hinter die Bühne: Sie half bei der Entwicklung des Farbfilms mit und lehrte von 1937 bis 1943 Schauspiel am Stephens College in Missouri. Maude wurden immer wieder Rollen in Spielfilmen angeboten, doch sie lehnte alle ab und zog sich bald aus der Öffentlichkeit zurück. Im Alter von 80 Jahren starb sie 1953 in ihrem Haus in New York, als sie sich für ein paar Stündchen hinlegen wollte und nicht wieder aufwachte. Maude Adams war die beliebteste amerikanische Schauspielerin ihrer Zeit.

Privates: Wer war Maude Adams?

Von Zeitgenossen wird Maude oft als schüchtern und zurückgezogen beschrieben. Sie hat sich selten in der Öffentlichkeit sehen lassen und gab auch keine Interviews. Die meisten Fotografien von Maude sind Werbebilder für die Stücke, in denen sie zu sehen war, es gibt kaum Aufnahmen, die sie privat zeigen oder Postkarten, wie von anderen Schauspielerinnen der Zeit. Sie ging selten zu Bällen oder Dinners und fühlte sich von der Anwesenheit anderer Menschen oft ermüdet. Obwohl sie sehr zurückgezogen lebte, gilt sie heute als die beliebteste Schauspielerin, die der Broadway in New York City um die Jahrhundertwende herum zu bieten hatte. Sie war außerdem die am besten bezahlteste Schauspielerin: Maude verdiente im Jahr rund eine Million Dollar. Belegt ist eine lange Freundschaft mit den Schwestern von St. Regis, denen sie sogar eines ihrer Anwesen schenkte, das von den Nonnen bis heute als Erholungsort genutzt wird und ein Museum zu Maude Adams beinhaltet. Maudes Schauspiel wurde oft als sehr weiblich und kindlich bezeichnet, sie soll selbst mit über dreißig noch mädchenhaft und weich gewirkt haben.

Maude Adams in "Quality Street", 1901
Maude hatte großes Interesse an der Technik, die hinter jedem Theaterstück steckte. Besonders Bühnenbeleuchtung interessierte sie und nach ihrem Abschied von der Bühne 1916 verbrachte sie einige Zeit damit Technikern zu helfen neue, bessere Techniken zu entwickeln. Sie soll außerdem Angst vor Pferden gehabt haben, diese jedoch durch viel Willenskraft überwunden haben. Nach Phyllis Robbins war Maude Adams ein Mensch, der immer versuchte, sein Bestes zu geben.

Sie war davon überzeugt, dass man keine Angst vor dem Versagen haben sollte, aber davor, nicht sein bestes gegeben zu haben, egal ob man damit durchkam oder nicht. Maude Adams hielt das Leben nur für lebenswert, solang man es in vollen Zügen lebte und immer versuchte, die bestmöglichste Version von sich selbst zu sein. Maude war außerdem ein sehr großzügiger Mensch. Sie spendete ihre Einnahmen nicht selten an Menschen in Not, wollte aber nie, dass herauskam, dass sie die Spenderin war.

Maude Adams hat niemals geheiratet und war auch nie verlobt. Beerdigt ist sie neben Louise Boynton, mit der sie von 1905 bis zu Louises Tod im Jahr 1951 zusammengewesen sein soll. Wirkliche Beweise dafür gibt es nicht, doch das liegt wohl großteils an der Epoche, in der Maude gelebt hat. Außerdem wurde Maudes gesamte private Korrespondenz nach ihrem Tod vernichtet, weshalb es sehr schwer ist, nachzuvollziehen, wer sie wirklich war. Es ist auf jeden Fall nicht auszuschließen, dass sie lesbisch gewesen ist, da Beziehungen zu Männern nicht einmal angedeutet werden, dafür aber Beziehungen zu Frauen. Louise Boynton, neben der sie beerdigt liegt, soll Maudes große Liebe gewesen sein. Zu den weiteren Frauen, mit denen sie eine romantische Beziehung geführt haben soll, gehört Lillian Florence, die im Jahr 1901 verstarb. Maude soll Lillian 1892 kennengelernt haben, als beide in "The Masked Ball" spielten und ihr Tod, wahrscheinlich durch eine schwere Krankheit, hat sie schwer getroffen.

Beide Frauen lebten bei Maude und waren offiziell als ihre Sekretärin angestellt, was im Amerika des späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts natürlich ein guter Weg war, unbehelligt eine Beziehung zu führen, die der Gesellschaft nicht gefallen hätte. Ob Maude Adams wirklich lesbisch war und ob Lillie und später Louise mehr waren als bloß gute Freundinnen, kann so leicht nicht mehr geklärt werden. Doch Andeutungen in zeitgenössischen Quellen, Maudes Desinteresse an allen Männern, die versuchten sie zu umwerben und nicht zuletzt der Umstand, dass sie vierzig Jahre mit einer Frau zusammenlebte, die sie auf all ihren Reisen begleitete und neben der sie sich hat beisetzen lassen, dürften die Lage trotz edwardianischer Moral und Zweiflern eindeutig machen. Für viele lesbische und bisexuelle Frauen gilt Maude Adams daher heute als Vorbild.

Selbst nachlesen? 

Robbins, Phyllis: Maude Adams. An intimate portrait. 1956.

Geschrieben von einer engen Freundin Maudes, dürfte diese Biographie am besten darlegen, wer Maude Adams wirklich war. 

Kommentare:

  1. Als erstes will ich mich für diesen wunderbaren Artikel und die bezaubernden Bilder dazu bedanken. Ich kann nicht verstehen, wieso Maude als "nicht schön" empfunden wurde...
    Als zweites wollte ich dich kurz darauf hinweisen, dass du im letzten Absatz im Abschnitt "Peter Pan-die Rolle eines Lebens" geschrieben hast Maude hätte von 1837 bis 1943 Schauspiel unterrichtet.

    Nochmals Danke für den Artikel.

    Alles Liebe,
    Michelle

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  2. Danke! Das wäre ja eine recht lange Zeitspanne gewesen. :'D Wird sofort berichtigt.

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