Freitag, 10. Januar 2014

America's Darling - Das Gibson Girl auf dem Weg nach oben

The Crush - Charles Dana Gibson, 1901
Sie gilt als Idealbild der amerikanischen Frau. Junge Mädchen wollen so sein wie sie, junge Männer kommen aus dem Schwärmen nicht heraus und die Vertreter veralteter Moralvorstellungen sind entrüstet. Das Gibson Girl sorgt zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts für Wirbel in der Gesellschaft. Erst in Amerika, später auch in Europa. Sie ist ein Ideal, ein Wunschtraum, und verändert das Frauenbild zu Beginn des neuen Jahrhunderts im Sturm. 

Doch wer steckt hinter dem Gibson Girl? Das ist leicht beantwortet: Der amerikanische Zeichner und Satiriker Charles Dana Gibson. Nach ihm ist ein Cocktail benannt und er war verwandt mit wichtigen US-amerikanischen Politikern, auch seine spätere Frau, Irene Langhorne, stammte aus einer Familie mit politischen Ambitionen. Ihre Schwester, die berühmte Nancy Astor, war die erste weibliche Abgeordnete im britischen House of Commons. Doch Charles selbst galt schon als Jugendlicher als sehr talentiert und der Kunst zugewandt und wurde von seinen Eltern früh gefördert. So studierte er mit ihrer Hilfe zum Beispiel Kunst und machte sich bald einen Namen als Illustrator von beliebten Magazinen wie Harper's Weekly. Doch was genau ist das Gibson Girl? Und ist sie wirklich eine so feministische Figur, wie heute lang und breit behauptet wird? 

Schön und selbstbewusst - ein neues Ideal? 

Hier auf dem Blog könnt ihr gleich mehrere Gibson Girls aus der Feder von Charles Dana Gibson entdecken, komplett mit der dramatischen Frisur und dem lasziven Gesichtsausdruck. Auch das Bild oben links zeigt ein Gibson Girl, das von einem jungen Mann angehimmelt wird, während eine ältere Frau, deren Kleidung und Frisur dem entsprechen, was als anständig verstanden wurde, das Mädchen schockiert mustert. Der Entwurf entstand 1901, also ungefähr zur Glanzzeit des Gibson Girls, und ist bloß eine von vielen Zeichnungen, die Charles Dana Gibson im Laufe seiner Karriere anfertigte. Was ist das Besondere am Gibson Girl, das die Zeichnungen nicht bloß in der gesamten westlichen Welt bekannt wurden, sondern sogar einen richtigen Trend auslösten und schlussendlich das viktorianische Frauenbild gnadenlos auf den Kopf stellten? Erst einmal muss festgehalten werden, dass das Gibson Girl zu einer Zeit entstand, als sich das Gesellschaftsbild an sich bereits wandelte. Das fin de siècle war im vollen Gange, ein goldenes Zeitalter voller rauschender Feiern, das jedoch für viele auch den Untergang der Zivilisation bedeutete und den Zerfall moralischer Werte, da die Konventionen langsam lockerer wurden. 

Frauen durften plötzlich Sport machen und sich freier bewegen, sie gingen sogar auf die Straßen, um als Suffragetten Wahl- und Grundrechte für Frauen einzufordern. Für viele ein richtiger Schock, stellte es doch Werte in Frage, die seit dem frühen neunzehnten Jahrhundert in Stein gemeißelt schienen. Das Gibson Girl hingegen war keine Suffragette oder Frauenrechtlerin. Sie war ein neues Idealbild, ein neues Kunstwerk, eine neue Anleitung dafür, wie eine moderne Frau auszusehen und sich zu verhalten hatte. Ich möchte gleich zu Beginn sagen, dass so ein Ideal, noch dafür von einem Mann erdacht, natürlich keine Errungenschaft für die Suffragettenbewegung und den frühen Feminismus war. Es war bloß eine weitere Rolle, die eine Frau zu spielen hatte, wenn sie in der Gesellschaft bestehen wollte, bloß eine weitere Maske, hinter der die eigenen Wünsche und Ansprüche zu verschwinden hatten. Doch im Vergleich zum Idealbild der stillen, reinen Frau, dem Engel des Hauses, die ihrem Ehemann jeden Wunsch von den Lippen abzulesen hatte und bloß da war, um sein Leben so angenehm wie möglich zu machen, bot das Gibson Girl den jungen Frauen des fin de siècle unzählige Möglichkeiten. Es mochte bloß eine weitere gesellschaftliche Rolle sein, doch es war eine, die freier war, selbstständiger und Chancen zum Ausbruch aus dem starren Rahmen bot. 

Ein Gibson Girl musste mehrere Ideale vereinen und genau diese Aufgabe war ein zweischneidiges Schwert: Das Gibson Girl sollte schlank sein, aber nicht schlank im heutigen Sinne: Sie sollte kleine Füße haben und schöne kleine Hände, einen schlanken Hals, eine schmale Taille - Aber dazu einen großen Busen und breite, ausladende Hüften. Eine übertriebene Stundenglasfigur, geformt wie der Buchstabe S, die ohne Korsett natürlich nicht zu erreichen war. Die bevorzugte Gibson-Girl-Frisur war ein Knoten oben auf dem Kopf, so hoch aufgetürmt, wie nur möglich. Dieser Pompadour oder Chignon wurde meist durch Haarteile- und -schwämme erreicht, um die das Eigenhaar gewickelt wurde, um die gewünschte Fülle zu erhalten. Gleichzeitig zu diesem dramatischen Auftreten musste ein Gibson Girl jedoch trotzdem einen einwandfreien Ruf haben, respektabel sein und fragil wirken, ein mädchenhaftes Gesicht besitzen und Schönheit, die so vergänglich und zerbrechlich aussah, als könnte der nächste Windstoß sie hinwegfegen. Dieser neue Stil des Gibson Girls wurde als lässig beschrieben, als fröhlicher Lebensstil, war, wie ihr euch aber sicherlich denken könnt, schwer zu erreichen und aufrecht zu erhalten. 

Während von einem Gibson Girl weiterhin erwartet wurde, dass sie sich immer modebewusst und gerade noch anständig anzog und ein Mitglied der höheren Gesellschaft war, stand man ihr aber auch einige Freiheiten zu, die respektable Frauen sich bisher nicht hatten herausnehmen dürfen. Das Gibson Girl war sportlich: Sie durfte und sollte sogar Fahrradfahren und sich bewegen, schwimmen, Tennis spielen, und war bei Weitem nicht mehr so eingeschränkt, wie die Frauen der vorhergegangenen Jahrzehnte. Stammte sie aus der Mittelschicht, durfte sie arbeiten gehen, ohne ihren Ruf zu verlieren, und eigenes Geld verdienen und behalten. Und jetzt kommt das Wichtigste, die Ausbruchsmöglichkeit, die dieses neue Idealbild für viele Mädchen so begehrenswert machte: Ein Gibson Girl musste intelligent sein, selbstbewusst, schlagfertig und unabhängig. Sie durfte eigene Ziele haben und diese auch verfolgen. Ihr Ehemann war nun nicht mehr das Zentrum, um das sich ihre Welt zu drehen hatte, doch bei allen Vorteilen, musste es trotzdem immer noch einen Ehemann geben, der in großen Entscheidungen das Sagen hatte. Statt des stillen Engels an seiner Seite, war das Gibson Girl nun die aufmerksame, clevere Ehefrau, mit der Mann sich unterhalten konnte und mit deren Erfolgen Mann angeben konnte. Am Ende also doch bloß ein Schmuckstück an der Seite eines Mannes, doch wenigstens eines, das einen eigenen Kopf haben durfte. 

The New Woman - Wenn ein Trend aus einer Bewegung entspringt 

Wenn man es ganz böse sagen möchte, war das Gibson Girl bloß eine zahme, ungefährlichere Version der New Woman. Die New Woman war progressiv: Sie konnte eine Suffragette sein, sie war gebildet, sie war völlig unabhängig, sie konnte selbst entscheiden, ob sie heiraten wollte oder nicht, sie traf ihre eigenen Entscheidungen. Jeder konnte eine New Woman sein, egal aus welcher Schicht man stammte (auch, wenn natürlich das nötige Kleingeld für ein Studium trotzdem nicht fehlen durfte). Im Gegensatz zum Gibson Girl war die New Woman gefährlich für die Gesellschaft, die bisher von Männern gelenkt wurde. Wo das Gibson Girl seinen eigenen Kopf und seine eigenen Meinungen haben durfte, konnte die New Woman studieren, ihre Unabhängigkeit leben und mit ihren Meinungen und Einstellungen hausieren gehen und etwas erreichen. Das Gibson Girl arbeitete wenn überhaupt, bloß um sich etwas eigenes Geld zur Seite zu legen, während die New Woman eine Karriere anstrebte, um nicht von einem Mann mit Geld abhängig zu sein. Die New Woman war Herrin ihrer eigenen Sexualität und über ihr eigenes Leben, sie musste nicht respektabel sein, sie musste sich selbst versorgen können. 

Während die New Women für die männerdominierte Gesellschaft eine richtige Gefahr darstellten, schließlich stellten sie die alte Gesellschaftsordnung vollkommen in Frage und ließen sie auch ein Stück weit einbrechen, sah man das Gibson Girl viel eher als gesellschaftsfähige Version davon. Schaut man zurück, könnte man glauben, das Gibson Girl sei eine Verballhornung der New Woman, ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass auch selbstständige Frauen ihren Platz an der Seite eines Mannes zu kennen und niemals aus der Reihe zu fallen hatten. Während die New Women eine Gegenbewegung waren, ein Protestschrei gegen ungerechte gesellschaftliche Erwartungen, war das Gibson Girl ein darauf basierender Modetrend, der zu allem Überfluss die Ziele und Forderungen der New Women einzuschränken versuchte, indem man Charakteristika der New Woman im Gibson Girl wiederfinden konnte, bloß in zahmer, glamouröser Form, nicht so wütend und entschlossen wie die New Women und die Suffragetten und bei Weitem nicht so entscheidungsfähig. Trotz allem trug das Gibson Girl zum gesellschaftlichen Wandel bei, ob es das wollte oder nicht. 

Das Gibson Girl rettete sich, indem es sich aus politischen Angelegenheiten heraushielt und seine neuen Freiheiten auslebte, ohne nach dem Wahlrecht oder gleichen Rechten zu verlangen. Oft wird das Gibson Girl als sehr dominant dargestellt: Sie weiß genau, wie sie auf Männer wirkt und spielt mit ihren Reizen, hat die Männer fest in der Hand. Charles Dana Gibson zeichnete seine Gibson Girls unter anderem mit Mikroskopen in der Hand, unter der sie kleine Männer beobachteten und wie Ameisen verbrannten, oder als selbstbewusste Frauen, die auf Männern herumtrampelten. Oder, wie in dem Bild oben, völlig gelangweilt von den Avancen irgendwelcher Jungen. Doch trotz allem galt das Gibson Girl eher als Flirt und als kecke Verführerin, als Spaß und Herausforderung und am Ende drehte sich auch ihre Welt um den Mann: Es war natürlich viel schwerer ein unabhängiges Gibson Girl zu erobern, als eine stille, für Aufmerksamkeit dankbare Frau, die das alte Idealbild vorsah, ein neuer Spaß also für Männer, die sich damit rühmen konnten ein selbstbewusstes Gibson Girl zur Ehefrau zu haben. Im Gegensatz zur New Woman war das dominante Gibson Girl also trotzdem bloß ein Anhängsel, eine neue Herausforderung, der man mehr bieten musste, als zuvor. 

Während die New Woman die Grenzen der Rolle der Frau zu sprengen versuchte, hatte das Gibson Girl die alten Aufgaben trotzdem zu übernehmen: Sie musste eine gute, liebende Mutter sein, sich in der Gesellschaft respektabel präsentieren und sollte sich eine lange, romantische Ehe wünschen - kurz gesagt, sie sollte sich trotz aller Selbstständigkeit bewusst sein, was ihre Pflichten waren und durfte es niemals zu weit treiben, während die New Woman sich um Trends und gesellschaftliche Konventionen nicht scherte. Die New Woman riss schlussendlich alte Grenzen ein und trieb die Frauenbewegung ein großes Stück voran, doch ohne die gesellschaftliche Akzeptanz des Gibson Girls wäre es wohl niemals so weit gekommen. Man kann sagen, die Gesellschaft hat sich selbst reingelegt: Ursprünglich diente das Gibson Girl als Gegenbewegung zur New Woman, als Wegweiser für junge Mädchen, wie sie wirklich zu sein hatten. Letztendlich wurde der Trend zum Katalysator für die Ideen der New Women

Camille Clifford - Amerikas neuer Liebling 

Camille Clifford, ca. 1905
Ironischerweise ist Camille Clifford, das Vorzeigemädchen der neuen Gibson-Girl-Bewegung, und das Idealbild für jedes amerikanische Mädchen, gar keine Amerikanerin gewesen, sondern Belgierin. Sie kam 1885 in Antwerpen als Camilla Antoinette Clifford zur Welt und zog bald mit ihren Eltern von Belgien über Schweden und Norwegen in die USA. Zum Gibson Girl der Nation wurde sie, als sie zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, noch als Jugendliche, ein von Charles Dana Gibson selbst ausgeschriebenes Gewinnspiel gewann, bei dem er das Mädchen suchte, dass seinen Gibson-Girl-Zeichnungen am meisten ähnelte. 

Camille gewann nicht nur eine Stange Geld, sondern wurde in Amerika sehr bald als die ideale Frau hochgehalten. Ein Beispiel für andere amerikanische Mädchen, die ihr nacheiferten, um genau so zu sein wie sie. Das Gibson Girl gilt daher als erster amerikanischer Schönheitstrend überhaupt und Camille Clifford, neben ihrer Kollegin Evelyn Nesbit, als eines der ersten amerikanischen It-Girls. Von nun an verdingte Camille sich, ähnlich wie Evelyn, als Schauspielerin, die jedoch leider nicht für ihr Talent bekannt war, sondern für ihre Schönheit. Sie spielte in London und New York, bekam jedoch trotz ihrer Berühmtheit niemals Sprechrollen. Als ihr Markenzeichen gilt bis heute ein langes Kleid mit Schleppe, das bemerkenswert schlicht ist und gerade so viel Haut zeigt, wie noch als respektabel galt. Angeblich hatte Camille trotz ihrer Kurven eine Taille von bloß 45 Zentimeter Durchmesser. 

Zum Vergleich: Für den Film Jonah Hex zwängte sich Schauspielerin Megan Fox in ein Korsett und beschrieb die Erfahrung einer eingeschnürten 45-Zentimeter-Taille als recht schmerzhaft: Sie sprach von tiefen Abdrücken in der Haut und davon, dass das Korsett für Actionszenen gelockert werden musste, damit sie noch Luft bekam. Camille hingegen konnte diese Taille wohl Tag für Tag zur Schau tragen, da sie zu Zeiten groß wurde, in denen Mädchen von klein auf an das Korsett gewöhnt wurden und die Taille tatsächlich durch regelmäßiges Korsetttragen reduziert wurde - eine Verformung des Körpers, die nicht rückgängig zu machen war. Obwohl Camilles Taille auch für damalige Verhältnisse extrem und sicherlich nicht gesund war, galt sie als nachahmungswürdig und wird bis heute urtümlich als Durchschnitt im edwardianischen Zeitalter angesehen, obwohl Camille als Idealbild und Berühmtheit ihrer Zeit natürlich alles andere als durchschnittlich war, sondern viel eher ein kaum zu erreichendes Vorbild. 

Camille heiratete zweimal, hatte jedoch bloß eine Tochter, die nicht älter als fünf Tage wurde. Nach dem Tod ihres zweiten Mannes in den 1950ern unterhielt sie bis zu ihrem eigenen Tod im Jahr 1971 einen erfolgreichen Rennstall. Heute gilt Camille Clifford als typisches Gibson Girl, obwohl sie nicht das einzige Modell war, und als Amerikas Liebling in der Belle Époque. Ihr Bild ziert tausende von Sachbüchern, die sich mit der Mode im frühen zwanzigsten Jahrhundert auseinandersetzen und sehr viele alte Postkarten. Eines noch zu Camille: Wenn ihr hört, dass sie eine von den Damen war, die sich Rippen entfernen ließen, um eine noch schmalere Taille zu erlangen, glaubt das bitte auf keinen Fall. Schönheitsoperationen gab es im edwardianischen Zeitalter noch nicht, weil das Todesrisiko bei Operationen noch viel zu hoch war und niemand das eingehen wollte. Camilles Figur ist wohl großteils der Verdienst von jahrelangem Korsetttragen. 

Das Ende des Gibson Girls 

Mit dem Ersten Weltkrieg kam auch das Ende des Gibson Girls. Plötzlich hatte niemand mehr Zeit für glamouröse Auftritte und dramatische Frisuren und schon gar nicht für Kleider, wie Camille Clifford sie trug. Als die Männer in den Krieg zogen, wurde es Zeit für die Frauen aller Gesellschaftsklassen selbst anzupacken und dafür brauchte man Bewegungsfreiheit und praktische Kleidung: Das ist der Grund, weshalb das Korsett aus der Mode geriet und die Röcke kürzer wurden. Der Erste Weltkrieg tat viel für die Frauenbewegung: Frauen konnten beweisen, dass sie selbstständig waren und für sich selbst sorgen konnten, dass sie keinen Mann brauchten, um kluge Entscheidungen zu treffen und eine Familie zu versorgen. Die Ideen der New Women, die zuvor abgelehnt wurden, mussten plötzlich sogar in die Tat umgesetzt werden: Frauen mussten in traditionellen Männerberufen bestehen. 

Die Idee vom Gibson Girl, vom nur zum Spiel koketten, selbstständigen Mädchen, war mit einem Schlag überholt und veraltet. Ein letztes Relikt der alten gesellschaftlichen Ordnung, in der Frauen extravagante Ballkleider trugen und das Wichtigste im Leben war, eine gute Partie zu machen. Plötzlich gab es neue Aufgaben, für gebildete, resolute Frauen, die anpacken konnten. Doch das Gibson Girl war nicht vergessen: Zusammen mit den New Women ebnete es den Weg zum Flapper der 20er Jahre, für Frauen, die vollste Kontrolle über ihr Sexualleben und ihre Entscheidungen hatten, kurze Röcke trugen und feierten, ohne viel auf einen guten Ruf geben zu müssen. Ungewollt ist das Gibson Girl also doch eine Vorreiterin für die neue Frau des zwanzigsten Jahrhunderts. Doch man darf nicht vergessen, dass sie trotzdem die Erfindung eines Mannes war und zwar eine Erfindung, die immer noch nicht aus alten Rollenbildern ausbrechen durfte: Aber sie konnte, wenn sie es wagte, den Schritt zur New Woman zu machen.

Alles in allem ist das Gibson Girl ein Modetrend, das erste amerikanische Schönheitsideal und der Hervorbringer der ersten It-Girls überhaupt. Es ist außerdem eine Gegenbewegung zur Frauenbewegung, die jungen Mädchen zeigen sollte, wo der Platz einer Frau war, egal wie intelligent und selbstbewusst sie sein mochte. Dass das Gibson Girl am Ende trotzdem eine feministische Ikone geworden ist, weil es für die Zeit, aus der es kommt, eben doch fortschrittlich und ein Schritt in die richtige Richtung war, können wir heute als kleinen Triumph auffassen: Denn das Gibson Girl, das nichts weiter sein sollte als ein hübscher Trend und eine Ermahnung, ist heute genau das, was es niemals hatte werden sollen: Im weitesten Sinne ein Symbol für die Veränderung der Gesellschaft der Belle Époque und für die Frauenbewegung im Speziellen.

Selbst nachlesen?

Patterson, Martha H.: Beyond the Gibson Girl. Reimagining the American New Woman, 1895-1915. 2005.

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