Sonntag, 31. März 2013

Osterhauben und Eierrollen - Viktorianische Ostern

Edwardianische Osterkarte 
Frohe Ostern an alle Leser und hoffentlich bald auch einen schönen, bunten Frühling! Wie sich einige vielleicht schon gedacht haben, stammen einige unserer heutigen Osterbräuche aus den viktorianischen Jahren. Zwar sind Ostertraditionen an sich bereits sehr alt, doch die Viktorianer dachten sich natürlich auch hier weitere Traditionen aus oder erfanden alte neu:

So wurden zum Beispiel vermehrt Osterkarten, die Häschen, Frühlingsszenen, Paraden oder Eier und Küken zeigten, verschickt. Welche weiteren Traditionen es gab und woher sie stammen, ist ein interessantes Thema. Ostern war im viktorianischen Zeitalter ein sehr beliebtes Fest, denn es symbolisiert einen Neuanfang und steht gleichzeitig zu Beginn des Frühlings und den warmen Tagen des Jahres.

Ostersymbole - Osterparaden, Osterhauben 

Ostern war für die Viktorianer ein einziges Symbol: Ein Symbol, dass der kalte Winter endlich vorbei war und die warme Jahreszeit auf dem Vormarsch war. Eine neue Saison stand an, voller bunter Farben, Kleider und Feste. Doch auch religiös betrachtet ist Ostern natürlich ein hoffnungsvolles Fest, dass den Viktorianern mit ihrem Optimismus und Fortschrittsgeist gut stand. Ein großer Teil der viktorianischen Osterfeierlichkeiten war die Osterparade, die nach der Ostermesse stattfand. Die Gemeinde folgte dem Priester, der mit einer Kerze oder einem Kruzifix voranging, durch die Straßen des Ortes. Damen und Mädchen trugen zu diesen Osterparaden Easter Bonnets - Osterhauben - die reich mit allerlei Bändern und Frühlingsblumen geschmückt waren. Zudem trug man für die Parade seine neuen, modischen Frühlingskleider. Ein Brauch, der wahrscheinlich aus der Zeit der frühen Christen herrührt: Damals trugen neugetaufte Christen zu den Paraden weiße Gewänder um ihr neues Leben zu symbolisieren, Christen, die bereits länger getauft waren, trugen neue bunte Kleider. Der Brauch zu Ostern bunte Bänder und Kleidung und Frühlingsblumen zu tragen, ist also ein Symbol für neues Leben, Neubeginn und Hoffnung.

Schauspielerin Zena Dare mit
einer Osterhaube
Allerdings waren die Osterparaden zur Zeit Königin Victorias natürlich auch bereits dazu da, seine neuen teuren Kleider vorzuführen. Man zeigte einmal mehr, dass man sich die teuersten Stoffe und die modischsten Schnitte leisten konnte. Auch die Osterhauben waren ein Weg um seinen Reichtum auszudrücken und zu zeigen, wie schön und wohlhabend man war. Zudem gab es einen Brauch, nach dem junge Männer ihren Angebeteten vor der Parade ein Paar Handschuhe schenkten. Trug die Dame die Handschuhe zur Parade, war das ein Zeichen, dass einer Hochzeit nichts mehr im Wege stand. Diese Osterparaden und "Easter Bonnets" sind in Großbritannien bis heute sehr beliebt. Doch sie sind nicht die einzige Ostertradition, die aus vergangenen Zeiten stammt. Über die Easter Bonnets gibt es sogar ein Gedicht von Irving Berlin von 1933:

"In your Easter Bonnet, with all the frills upon it,
you´ll be the grandest Lady in the Easter Parade.
I´ll be all in clover and when they look you over,
I´ll be the proudest fellow in the Easter Parade."

Die Viktorianer machten außerdem die Sprache der Blumen beliebt, bei der verschiedene Blumen kleine Botschaften überbringen konnten und eigene Bedeutungen hatten. Für Ostern setzte sich sehr schnell die Osterlilie durch, die durch ihren Zyklus ideal erschien: Sie blühte im Frühling auf, starb ab und kam im nächsten Jahr wieder. Hier scheint es jedoch eine Verschiebung gegeben zu haben: Während die Osterlilie zwar noch immer bekannt ist, sind heutzutage eher Narzissen - auch Osterglocken genannt - als Osterblumen bekannt. Doch durch die weiße Farbe und ihre Größe fand man in einem viktorianischen Haushalt zur Osterzeit eher Lilien vor.

Der Osterhasenmythos - Ein Exkurs ins Mittelalter

Auch viktorianische Kinder kannten den Osterhasen. Dieser versteckte die Geschenke allerdings noch nicht, sondern legte sie über Nacht in die aufgestellten Osternester und -körbe, wenn die Kinder das Jahr über brav gewesen waren. Geschenkt gab es Hasen und Eier aus Schokolade und andere Süßigkeiten. Doch den Osterhasen selbst, gibt es bereits viel länger. Im Mittelalter glaubte man, der Hase selbst könnte sich jungfräulich fortpflanzen, weshalb Parallelen zur Jungfrau Maria gezogen wurden. Der Hase wurde in der Kirche ein Reinheitssymbol und ist in englischen Kirchen oft in den Verziehrungen und Glasfenstern zu bewundern. Auch auf Marien-Abbildungen sieht man sehr oft einen Hasen. Eier hingegen, die der Hase bringt, sind Symbole für Fruchtbarkeit, die der Frühling bringt. Die bunten Eier sind auch kein viktorianischer Brauch, sondern bereits viel älter. Im Frühling kochte man Eier zusammen mit Frühlingsblumen, was die Farbe der Eier änderte und den Frühling ins Haus holte.Oft wurden Eier auch rot gefärbt, um das Blut Christi zu symbolisieren, dass für die Christen geopfert worden war. Auch grün war eine beliebte Farbe für Eier, da nach dem langen Winter wieder grüne Pflanzen wuchsen: Ein Symbol für neues Leben.

Mit Ostern wurde dieser Brauch allerdings erst von den Protestanten in Verbindung gebracht, denn Katholiken durften zu Ostern wegen der Fastenzeit gar keine Eier essen. Der Mythos des Osterhasen entstand bereits im achtzehnten Jahrhundert in den USA. Deutsche Einwanderer erzählten ihren Kindern, dass der Hase ihnen bunte Eier bringen würde, wenn sie brav waren: Die Kinder stellten über Nacht ihre Kappen und Hauben auf und legten Stroh hinein, damit der Osterhase die Eier hineinlegen konnte. Doch wirklich verfestigt wurde der Mythos erst von keinem geringerem als Jakob Grimm, der 1835 in seiner "Deutschen Mythologie" diesen Mythos im Zusammenhang mit der heidnischen Frühlingsgöttin Ostara nennt. Ostara ist das altdeutsche Wort für Ostern. Während Ostara eine heidnische Frühlingsgöttin ist, wird sie von Grimm mit dem Ostermonat April in Verbindung gebracht, und er vermutet, dass die Christen ihr Osterfest wie viele andere Feste auch einfach auf die heidnische Ostara-Feier gelegt haben.

Ostara - Bunte Eier, buntes Leben

Ostara - die in Großbritannien Eostre genannt wird - hatte den Hasen als Tier an ihrer Seite und stand für den Frühling und die Wiedergeburt des gestorbenen Landes im Frühling. Ein Zeichen für diese Wiedergeburt und die Fruchtbarkeit im Frühling war das Ei. Diese heidnischen Bräuche und Ideen finden sich auch heute noch im Osterbrauchtum wieder und sind sicherlich auf Ostara und die heidnischen Bräuche zurückzuführen. Die berühmten Fabergé-Eier, Eierfiguren aus Gold und anderen kostbaren Materialien, sind übrigens auch eigentlich bloß viktorianische Ostereier. Das erste Fabergé-Ei gab 1883 der russische Zar Alexander in Auftrag - als Ostergeschenk für seine Frau Maria.

Dieses Ei bestand aus Platin und Emaille und konnte geöffnet werden. Im Inneren befand sich ein kleineres Ei aus Gold. Auch dieses konnte man öffnen und zum Vorschein kam eine goldene Henne mit Augen aus Rubinen, in der sich wiederum eine kleine Nachbildung der Zarenkrone befand. Maria war so begeistert, dass der Zar von nun an jedes Jahr zu Ostern neue Eier von Fabergé anforderte und auch sein Sohn Nicholas II. führte die Tradition weiter. Während die meisten dieser Traditionen in England bereits seit Jahrhunderten bestehen, fand der Trend des Beschenkens der Kinder erst in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts nach England. Vorher wurden Eier zwar auch dekoriert, doch erst spät fanden die Engländer Freude an der Tradition Osternester aufzustellen und darauf zu warten, dass der Osterhase Geschenke und Schokolade hineinlegte.

Feierliches - Eierrollen und Hot Cross Buns

Die Viktorianer mögen nicht viele neue Osterbräuche gebracht haben, doch sie haben alte Bräuche genommen und ihnen eine neue Bedeutung gegeben. Eine weitere dieser alten Traditionen, die im viktorianischen Zeitalter neue Bedeutung erlangten, ist das Eierrollen. Auch diese Tradition ist auf Ostara zurückzuführen, deren Äquivalent Eostre in Großbritannien mit Eiern als Fruchtbarkeitssymbol in Verbindung gebracht wurde. Als sich christliche und heidnische Bräuche vermischten, wurde das Eierrollen unter Kindern sehr beliebt - als Symbol für den Stein, der von Jesus´ Grab gerollt wurde. Auch die Viktorianer ließen bemalte und dekorierte Eier die Hügel hinunterrollen und bald gab es große Wettbewerbe im Eierrollen, die bis heute bestehen. Diesen Trend löste wohl 1814 die Präsidentengattin Dolly Madison aus, die am Ostermontag Kinder einlud um auf dem Hügel vor dem Capitol Eier rollen zu lassen.

Ein sehr viktorianischer Ostertrend sind die Hot Cross Buns. Das ist eine Art Brötchen mit Rosinen darin. Sie werden an Karfreitag gebacken und zeigen ein Kreuz, das natürlich für die Kreuzigung steht. Dieses Gebäck gab es bereits zur Zeit des englischen Bürgerkrieges, doch erst zu Zeiten der Viktorianer wurden sie wirklich beliebt und über die Osterfeiertage gegessen und verschenkt. Es gibt sogar einen viktorianischen Kinderreim dazu: "Hot cross buns, hot cross buns, if you have no daughters, give them to your sons." Hot Cross Buns wurden auch oft über die Ostertage an Straßenständen verkauft und kosteten meist einen oder zwei Penny das Stück.

Der Ablauf eines viktorianischen Osterfestes

Wo wir nun die Traditionen der Viktorianer kennen, wird es Zeit sie in einen Kontext zu bringen. Dazu muss man wissen, dass die Viktorianer den Wert der Familie über alles stellten und Ostern, als fröhliches Familienfest, über eine ganze Woche lang feierten. Da Religion im viktorianischen Zeitalter noch sehr wichtig für die Menschen war, muss man auch wissen, dass das Osterfest bei gläubigen Menschen auf die triste Fastenzeit folgte und diese durch Spaß und Fröhlichkeit ablöste. Die "Eastertide" begann am Palmsonntag: Man wickelte Blätter um Kreuze und marschierte mit seinen Kindern durch die Straßen des Ortes. Im Verlauf der Woche färbte man dann die Ostereier. Die Farben waren meist natürlich. Spinat für Grün, rote Beete für Rot, Blaubeeren für Blau und dergleichen.

Dann begannen Mütter und Töchter zusammen ihre Easter Bonnets zu schmücken. Meist kaufte man diese nicht, sondern nahm eine simple Haube und schmückte sie mit allerlei modischen Accesoires und Frühlingsblumen. Als Hauben aus der Mode kamen, nutzte man hierfür Strohhüte, die jedoch immer noch Easter Bonnets genannt wurden. So einen könnt ihr auf dem Bild oben an Zena Dare sehen. Heute gibt es Easter Hats, die in England nach wie vor auf Paraden getragen werden. Am Karfreitag buk man die Hot Cross Buns und am Ostersonntag waren dann die Osternester gefüllt. Später wurde dies in manchen Ländern durch das heute noch bekannte Ostereiersuchen ersetzt. Am Ostermontag spielte man dann das Eierrollen. Nun ist es schon ein wenig zu spät um ein echt viktorianisches Ostern mit Hot Cross Buns und hübsch dekorierten Eiern zu feiern, doch vielleicht ist es eine hübsche Idee für nächstes Jahr. Ich wünsche allen Lesern eine wunderschöne Osterzeit und hoffe, dass bald wirklich Frühling wird und wir nicht noch mehr Schnee ertragen müssen. Alles Liebe!

Selbst nachlesen?

Aveny, Anthony: The Book of the Year. A Brief History of Our Seasonal Holidays. 2004.

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