Donnerstag, 8. November 2012

Bram Stoker - Der Schöpfer von Dracula

Bram Stoker, 1906
Foto: W. & D. Downey 
Genau heute vor 165 Jahren, am 8. November 1847, kam Abraham Stoker in Dublin zur Welt. Heute wird der Name vor allem mit seinem berühmtesten Werk, dem „Dracula“ aus dem Jahr 1897 in Verbindung gebracht, oder als Vater des Vampirromans genannt. Doch wer war Bram Stoker eigentlich? Viele Menschen kennen den Namen zwar, wissen aber nicht, wer sich dahinter verbirgt. Deshalb möchte ich euch Bram Stoker heute in einem kleinen Portrait vorstellen.

Bram war das dritte von insgesamt sieben Kindern und hatte als Kind schwer mit einer Krankheit zu kämpfen, die ihn bis zu seinem siebten Lebensjahr ans Bett fesselte. In dieser Zeit erzählte ihm seine Mutter Charlotte, die selbst ein großes Interesse an Literatur hatte, viele Gruselgeschichten, die sein späteres Werk beeinflusst haben. Im Alter von sieben Jahren wurde Bram wieder vollständig gesund und besuchte fortan eine Privatschule. Von 1864 bis 1870 besuchte er das angesehene Trinity College in Dublin, das er mit einem Abschluss in Mathematik verließ. Er zeichnete sich an der Universität außerdem als herausragender Athlet aus.


Lyceum – Bram Stoker und das Theater 

Bevor Bram Stoker zum Schreiben fand, entdeckte er jedoch eine weitere große Leidenschaft, die ihn sein Leben lang begleiten sollte: Das Theater. So kam es auch, dass seine erste richtige Anstellung die eines Theaterkritikers für die Dublin Evening Mail war. Interessanterweise gehörte diese Zeitung zum Teil dem Schriftsteller Joseph Sheridan Le Fanu. Der Name sagt euch nichts? Le Fanu hat die Vampirgeschichte rund um „Carmilla“ geschrieben, die versucht die junge Laura einzuspinnen – eine Geschichte, die Bram Stokers „Dracula“ maßgeblich beeinflusst hat. Bram Stokers Rezensionen zu den Theaterstücken fanden bald begeisterte Leser und, als er im Jahr 1876 eine positive Rezension zu Henry Irvings „Hamlet“ schrieb, lud der wohl berühmteste Schauspieler Englands ihn persönlich zum Abendessen ein. Die beiden wurden gute Freunde und 1878 zog Stoker, mittlerweile verheiratet, nach London, wo er Geschäftsführer von Henry Irvings Theater, dem berühmten Londoner Lyceum, wurde.

Im selben Jahr hatte Bram Stoker Florence Balcombe geheiratet. Dies war jedoch nicht ganz ohne Turbulenzen abgelaufen: Denn Florence Balcombe war eigentlich mit keinem geringeren als Oscar Wilde zusammen, mit dem er zusammen am Trinity College studiert hatte. Obwohl Oscar traurig darüber war, dass Florence sich gegen ihn und für seinen Freund Bram entschieden hatte, scheint die Freundschaft zwischen den beiden Schriftstellern nicht allzu sehr gelitten zu haben: Nach Oscars Entlassung aus dem Gefängnis im Jahr 1897 besuchte ihn Bram Stoker als einer der wenigen verbleibenden Freunde Oscars in Frankreich. Weitere Bekannte Stokers aus Literatenkreisen waren Sir Arthur Conan Doyle und der Schriftsteller Hall Caine, der sein bester Freund wurde. Obwohl Bram auch in dieser Zeit schon Geschichten und vereinzelt Romane verfasste, begann er erst ab ungefähr 1890 regelmäßig Romane zu schreiben. Seine Anstellung als Geschäftsführer des Lyceums soll ihn allerdings stark in Beschlag genommen haben, weshalb er zum Schreiben seltener kam.

Transsylvanien – Bram Stoker als Schriftsteller 

Die Inspiration für seinen „Dracula“ soll Bram Stoker aus mehreren Reisen und Erzählungen gezogen haben, aus Albträumen und Gesprächen mit anderen Horrorautoren seiner Zeit, doch ein Zusammentreffen sticht heraus: Das mit dem ungarischen Autoren Ármin Vámbéry, der ihm von der osteuropäischen Landschaft erzählte und der Mythologie rund um den Urvampir. Bram soll sofort fasziniert gewesen sein von den dunklen Geschichten und recherchierte daraufhin rund sieben Jahre lang die Gegend mit ihren Bräuchen und Gepflogenheiten. Die Inspiration für Dracula selbst soll allerdings niemand anderes als Henry Irving gewesen sein, denn Bram verehrt hat. Draculas theatralisches Auftreten und seine Eleganz sollen Charaktereigenschaften Irvings gewesen sein, von dem sich Bram gewünscht hatte, er möge seinen Dracula in einer Bühnenversion spielen. Dazu ist es leider niemals gekommen. Für den Namen des mächtigen Vampirs stand natürlich Vlad Dracul Pate, der mit dem fiktiven Grafen Dracula ansonsten jedoch kaum etwas gemein hat.

„Dracula“ reiht sich als romantischer Horrorroman in eine lange Reihe ähnlicher Romane ein, die Ende des neunzehnten Jahrhunderts erschienen sind. Sie alle haben ein ähnliches Thema: Vom europäischen Kontinent her kommt eine düstere Bedrohung nach England. Dies wird sehr sicher eine Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen sein. Die sogenannte „Invasionsliteratur“ ist nämlich besonders beliebt in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg und speist Ängste, die man damals nur zu gut kannte: Was wäre, wenn eine fremde Macht nach England kommt und das Königreich bedroht? Auch „Dracula“ fällt in dieses Genre, auch, wenn die Bedrohung durch den osteuropäischen Vampir natürlich viel mehr gruselige Spekulation ist, als politisches Statement. Interessant ist es trotzdem, dass der heute so bekannte „Dracula“ einen Zeitgeist widerspiegelt, der sich heute kaum noch herauslesen lässt, aber damals jedem Leser bewusst war. Obwohl der Roman nach seinem Erscheinen im Jahr 1897 durchaus beliebt war, erlangte er seinen heutigen Weltruhm erst im frühen zwanzigsten Jahrhundert, großteils durch die frühen Horrorfilme, die auf dem Roman basieren.

London – Bram Stokers Vermächtnis

Bram Stoker starb am 20. April 1912 nach mehreren Schlaganfällen in seinem Zuhause in London. Seine Urne kann auf dem Friedhof Golders Green besichtigt werden. Seit 1961 befindet sich in der Urne außerdem die Asche von Brams und Florences einzigem Sohn, Irving. Nach Brams Tod ließ Florence weitere Geschichten ihres Mannes veröffentlichen. Ein Grund, weshalb „Dracula“ in den 1920er Jahren so berühmt wurde, ist, dass der heute berühmte Horrorfilm „Nosferatu“, der auf dem Roman basiert, ohne Zustimmung von Florence, die alle Rechte innehatte, gedreht wurde. Florence war damit nicht einverstanden, da man sie nicht um Erlaubnis gefragt hatte, und klagte. Im Jahr 1925 gewann sie den Fall. Die Verhandlungen und das große Medieninteresse sorgten dafür, dass der Roman „Dracula“ so oft verkauft wurde, wie nie zuvor.

Heute ist Bram Stoker hauptsächlich als Vater des Vampirgenres bekannt, obwohl er nicht der erste war, der Vampirromane geschrieben hat: Joseph Sheridan Le Fanus „Carmilla“ und „The Vampyre“ von John William Polidori waren die ersten Gehversuche des Vampirgenres und beide recht erfolgreich. Trotzdem muss gesagt werden, dass Bram Stokers „Dracula“ in seinem flatternden Cape, inspiriert von Henry Irving, unser modernes Vampirbild stark beeinflusst hat. So stammt nicht nur das aristokratische, dramatische Auftreten des Vampirs von Stoker, auch die Theorie, dass der Biss eines Vampirs einen Menschen in einen Vampir verwandeln kann, findet sich zuerst in „Dracula“. Heute gilt „Dracula“ als beliebtester Horrorroman und hat seinerseits ganze Scharen von Schauer-, Horror- und Vampirromanen beeinflusst und inspiriert. Bram Stoker aber war nicht nur der Vater des Vampirgenres, sondern außerdem Theaterliebhaber und Freund vieler literarischer Größen seiner Zeit. Ich hoffe, ich konnte ihn euch heute ein wenig näher bringen.

Selbst nachlesen?

Eighteen-Bisang, Robert / Miller, Elizabeth: Bram Stoker's Notes for Dracula. A Fascimile Edition. 2008. 


Hughes, William: Beyond Dracula. Bram Stoker's Fiction and its Cultural Contexts. 2000.

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