Kalifornien 1849: Das Gold liegt auf der Straße

Ein Goldsucher siebt Gold am American
River, 1850
Foto: L.C. McClure
Quelle: Brinkley, Douglas: History of the
United States. 1998. S. 151.
Der Goldrausch von Kalifornien ist eines dieser historischen Ereignisse, das genauso gut aus der Feder eines besonders begabten Autoren stammen könnte. Mitte des neunzehnten Jahrhunderts brechen Menschen aus aller Welt in das bisher von weißen Siedlern so gut wie unberührte Kalifornien auf, weil sie gehört haben, dass dort das Gold auf der Straße liegt. Was auf den ersten Blick aussieht wie das Paradies auf Erden, entpuppt sich für viele Menschen als Albtraum. Der kalifornische Goldrausch ist ein Ereignis auf dem Weg zur Selbstfindung der Vereinigten Staaten von Amerika, das nicht unerwähnt bleiben sollte. Der Goldrausch von Kalifornien beginnt im Jahr 1848 in einem Sägewerk. Am 24. Januar findet der Angestellte James W. Marshall auf der Baustelle glitzerndes Metall. Marshall zeigt seinen Fund dem Eigentümer des Werks, dem Pionier John Sutter, und zusammen stellen sie fest, dass es sich um echtes Gold handelt. 

John Sutter ahnte, was der Goldfund bedeuten würde: Die Menschen würden in Scharen nach Kalifornien kommen um nach dem wertvollen Metall zu suchen. Das gefiel Sutter nicht, da er vorgehabt hatte, das Gebiet zu einem landwirtschaftlichen Imperium aufzubauen. Seine Siedlung, New Helvetia, sollte nicht von Goldsuchern überrannt werden, die ihm das Geschäft kaputt machen würden. Trotzdem druckten noch im Jahr 1848 die ersten Zeitungen Berichte vom Goldfund und in San Francisco, damals mehr Pionierdorf als Stadt, sprossen Geschäfte aus dem Boden, die alles verkauften, was ein Goldsucher brauchen könnte. Kalifornien war zu diesem Zeitpunkt kein unbeschriebenes Blatt Papier. Es gehörte offiziell noch zu Mexiko, war aber seit dem amerikanisch-mexikanischen Krieg bereits durch die Amerikaner besetzt. Erst kurz nach dem Goldfund kam es zur Übergabe Kaliforniens an die USA und bald darauf berichteten auch die Zeitungen an der Ostküste von den Funden. Die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Neunundvierzig – Der Goldrausch von Kalifornien 

Im Verlauf des Jahres 1849 machten sich Goldsucher aus aller Welt auf nach Kalifornien, um dort ihr Glück zu finden. Sie kamen aus den USA, aber auch aus Asien oder Europa, kein Weg war zu weit oder zu beschwerlich. Die Reise von der Ostküste nach Kalifornien konnte entweder mit dem Schiff gemacht werden und führte um die Spitze von Südamerika herum, da der Panamakanal noch nicht entstanden war. Sie dauerte acht Monate. Die andere Option war die Reise im Planwagen quer durch das Land. Viele Reisende starben auf dem Weg nach Kalifornien an Krankheiten wie der Cholera, durch Überfälle oder an Unfällen oder Hunger. Wir dürfen nicht vergessen, dass der gesamte Westen der USA von weißen Siedlern noch so gut wie unberührt war und nicht nur natürliche Gefahren lauerten, sondern auch Übergriffe durch Ureinwohner, die es verständlicherweise nicht begrüßten, dass die weißen Siedler kamen und ihnen noch mehr Land wegnahmen. Doch die Leute kamen trotzdem und John Sutter behielt Recht: Er musste New Helvetia aufgeben, nachdem die neuen Siedler ihm sein Vieh gestohlen hatten und seine Arbeiter selbst aufgebrochen waren, um Gold zu suchen. 

Zwischen 1849 und 1852 kamen fast 100.000 Goldsucher nach Kalifornien. Knapp die Hälfte waren weiße Amerikaner, der Rest setzte sich großteils als Afroamerikanern, Chinesen, Mexikanern, aber auch Europäern zusammen. Der Goldrausch von Kalifornien sieht den Beginn der amerikanischen Konflikte gegenüber chinesischen Einwanderern. Die Chinesen brachten ihre Kleidung und ihre Kultur mit und litten stark unter Diskriminierung durch die europäischen und amerikanischen Goldsucher, ein Konflikt, der sich in der Geschichte der USA fortsetzen würde. Darüber hinaus darf nicht angenommen werden, dass Goldsuchen eine rein männliche Tätigkeit war. Viele Frauen kamen nach Kalifornien, nicht nur um reich zu werden, sondern auch um den strengen gesellschaftlichen Regeln ihrer Heimat an der Ostküste oder in Europa zu entkommen. Die meisten Kneipen und Hotels wurden von Frauen geführt, doch natürlich kamen auch viele Frauen als Prostituierte nach Kalifornien.

Der Hafen von San Francisco, 1850
Quelle: Library of Congress
Der Goldrausch bedeutete ein regelrechtes Aufstreben für Kalifornien als Teil Amerikas. San Francisco entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit von der kleinen Siedlung zur großen, geschäftigen Handels- und Wirtschaftszentrale. Die Bevölkerung wuchs um das fünfundzwanzigfache an. Viele Schiffe wurden in San Francisco zurückgelassen, da nicht nur die Reisenden sich zu den Goldfeldern aufmachten, sondern auch die Besatzung. San Francisco im Jahr 1850 ist eine große, lebendige Stadt, deren Hafen voller Schiffe ist, in denen nach und nach Kneipen, Geschäfte und andere öffentliche Orte eingerichtet werden. Doch nicht nur San Francisco blüht auf. Überall in Kalifornien werden Goldgräberstädte mit windschiefen Gebäuden und Zelten als Unterbringung aus dem Boden gestampft. Straßen werden befestigt und Kneipen, Kirchen und Hotels errichtet, um die Goldsucher bei Laune zu halten. 1850 wird Kalifornien zu einem offiziellen Staat der USA erhoben. 

Goldminen – Die Wege zum Gold

Bis 1850 der große Ansturm auf Kalifornien begann, lag das Gold tatsächlich auf der Straße und musste einfach aufgesammelt werden. Natürlich war das oberflächlich sichtbare Gold aber bald abgeerntet und die Goldsucher mussten sich neue Wege einfallen lassen, um an das Gold zu gelangen. Man konnte das Gold mit einer Pfanne oder einem Sieb aus dem Flussschlick sieben oder einfach zu graben beginnen – wenn man Glück hatte, traf man auf diese Weise auf sehr große Goldstücke und hatte ein Leben lang ausgesorgt. Es gab aber auch raffiniertere Wege, um an das Gold zu gelangen. Einige Goldgräber taten sich zu Gruppen zusammen und leiteten das Flusswasser in eigens dafür gegrabene Rinnen ab – das Flussbett war leer und man konnte ungehindert im Schlick nach dem Gold graben. Ab 1853 konnte das Gold dann hydraulisch abgebaut werden. Man richtete einen starken Wasserstrahl auf Kiesbetten, in denen man Gold vermutete. Das Wasser sprengte den Kies weg und legte das Gold frei oder spüle es in ausgehobene Rinnen, aus denen man es einfach heraussammeln konnte. 

Auch das Goldsuchen selbst barg natürlich viele Gefahren für die Menschen. Viele Goldsucher ertranken auf der Suche nach Gold im Fluss, wurden von wilden Tieren getötet oder stürzten in Schluchten. Doch Kalifornien selbst war auch gefährlich. Für medizinische Versorgung war so gut wie überhaupt nicht gesorgt und Kalifornien unterlag in den Anfangszeiten keinem Gesetz. Wenn Leute wegen Habgier oder im Streit verletzt wurden oder sogar getötet, wenn einem das Gold oder die Ausrüstung gestohlen wurde oder jemand in dem „claim“, den man für sich abgesteckt hatte, Gold fand, gab es zu Anfang kaum einen Weg Recht zu sprechen oder überhaupt gesetzlich dagegen vorzugehen. Doch nicht nur erfuhren die Goldsucher Leid, sie verursachten es auch. Die Flüsse Kaliforniens wurden durch die neuen Abbaumethoden nachhaltig verschmutzt und, ein sehr wichtiger Punkt, der bis heute zu großen Konflikten führt, die Goldsucher vertrieben die Native Americans, die bisher in Frieden in Kalifornien gelebt hatten, von ihrem Land und beanspruchten es für sich, wie es im neunzehnten Jahrhundert überall in den USA geschah. 

Im Jahr 1855 ging der kalifornische Goldrausch langsam auf sein Ende zu. Das meiste Gold war abgebaut worden und es hatte große wirtschaftliche Veränderungen gegeben, die es mittlerweile unmöglich machten, als einzelner Goldsucher Gewinn zu machen. Große Gesellschaften zum Abbau des Goldes waren gegründet worden und beschäftigten Arbeiter, die in großen Minen den Rest Gold abbauten. Kalifornien war mittlerweile ein dicht besiedelter Staat geworden, in dem man auch als Geschäftsmann oder -frau, Händler oder auf andere Wege zu Geld kommen konnte. Der Goldrausch hatte zur Besiedlung und Erschließung Kaliforniens durch großteils weiße Amerikaner und Europäer gesorgt, für die Eingliederung in die USA, die Entstehung einer Verfassung und die Gründung und das Wachsen vieler Städte, die mittlerweile viel mehr waren als bloße Goldgräbersiedlungen. Eisenbahnschienen wurden nach Kalifornien verlegt und Dampfschiffe machten sich auf den Weg in den entlegenen Winkel der USA. Wo wäre Kalifornien im neunzehnten Jahrhundert ohne den Goldrausch? Eine gute Frage. Vielleicht hätte John Sutter seinen Traum von New Helvetia verwirklicht. Vielleicht wären die Siedler später gekommen. Vielleicht wäre einiges an Leid verhindert worden. Doch eines ist klar: Ohne den Goldrausch hätte sich Kalifornien in bloß ungefähr fünf Jahren niemals zu dem entwickelt, was es nach dem Goldrausch war: Ein fest integrierter Teil der Vereinigten Staaten von Amerika. 

Diskurs - Der kalifornische Genozid

Dass weiße Siedler die Ureinwohner der USA auf ihrem Weg nach Westen verdrängten und ausrotteten ist Gott sei Dank kein Streitpunkt der amerikanischen Geschichtsschreibung mehr. Dass dasselbe auch in Kalifornien geschah, ist bekannt. Ich habe es bereits angesprochen, möchte diesem Punkt aber einen eigenen kleinen Diskurs widmen, da er zugunsten des romantischen Abenteuers Goldrausch in Kalifornien immer wieder unter den Tisch fällt. Gaiety Girl ist mit dem Vorhaben entstanden, alle Seiten des neunzehnten Jahrhunderts zu beleuchten und auch Kontroversen anzusprechen, die verstanden werden müssen, um das Jahrhundert und seine Menschen vollständig verstehen zu können und dazu gehört die Auseinandersetzung mit der Unterdrückung und gewaltsamen Vertreibung ethnischer Minderheiten durch westliche Siedler, die nicht nur in den USA im neunzehnten Jahrhundert ein großes Problem darstellt und Konflikte schaft, die bis heute vorhalten, sondern auch in Großbritannien, das selten auf anderem Weg seine Kolonien erschlossen hat. Doch jetzt soll es um die Menschen gehen, die vor den Goldsuchern in Kalifornien gelebt haben, die vertrieben und getötet wurden, ohne, dass sie den meisten Menschen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, ein Wort wert wären. 

Heute gilt der Goldrausch in Kalifornien als Ursache für einen schlimmen Genozid an den Native Americans der Region, ein Umstand, der nicht unter den Teppich gekehrt werden sollte. Nicht nur wurden die Menschen durch die Ankunft der Siedler vertrieben. Die Menschen bildeten aktiv eine "Bürgerwehr", deren Aufgabe es war, gezielt nach Native Americans zu suchen und diese zu töten. Am Ende des Goldrausches waren von der eigentlichen Bevölkerung des Gebiets bloß noch rund 20 Prozent übrig - entweder waren sie direkt durch die "Bürgerwehr" getötet worden, oder starben, weil ihre Gewässer durch die zum Goldabbau genutzten Chemikalien vergiftet waren. Durch die große Schar der Siedler waren auch bald nicht mehr genug Tiere und Ackerflächen vorhanden, die die Native Americans brauchten, um zu überleben. Auch Krankheiten, die die Siedler mitbrachten, töteten viele Ureinwohner. Es muss aber gesagt bleiben, dass man hier keinen "unabsichtlichen" Tod der Menschen sehen darf. Der Großteil der rund 120.000 getöteten Native Americans in Kalifornien wurden Opfer von direkter Gewalt gegen sie.

Unsere modernen Medien verdrehen die Ereignisse gern einmal so, dass es aussieht, als hätten die "wilden" Ureinwohner die mutigen Siedler grundlos angegriffen und ihnen Leid zugefügt, aber ich hoffe, ich kann mit diesem Blog ein wenig Bewusstsein dafür schaffen, dass dahinter großteils eine bewusste Verzerrung der Tatsachen steckt. Die Native Americans wurden von den großteils weißen Siedlern von ihrem Land vertrieben, getötet, betrogen und langsam aber sicher ausgerottet. So auch in Kalifornien. Die Siedlungen der Natives wurden bewusst durch weiße Siedler geplündert und die Menschen, die nicht getötet worden waren, in die Sklaverei verkauft. Was in Kalifornien ab 1849 geschah, muss als bewusst ausgeführter Genozid an den Ureinwohnern des Gebiets verstanden werden und, dass dieses bewusste Töten, Vertreiben und Betrügen von Menschen im Rahmen des großen Goldrausches von Kalifornien so oft unerwähnt bleibt, wenn der Heldenmut der amerikanischen Pioniere besprochen wird, ist in meinen Augen ein Armutszeugnis für die amerikanische Geschichtsschreibung. 

Selbst nachlesen?

Brands, H.W.: The Age of Gold. The California Gold Rush and the New American Dream. 2003.

Clay, Karen: Order without Law? Property Rights During the California Gold Rush. 2005.

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