Montag, 2. Juli 2012

Die prüden Viktorianer - Stereotypen & Mythen

Lachende junge Frau, ca. 1900
Ein Fehler, der oft passiert, wenn jemand beginnt sich mit der Kultur und den Menschen des neunzehnten Jahrhunderts – besonders mit den britischen Viktorianern – auseinanderzusetzen ist, dass von vorn herein angenommen wird, die Menschen des langen neunzehnten Jahrhunderts wären prüde gewesen, streng und verbohrt. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen auch ich diesen Stereotypen Glauben geschenkt habe, bevor ich die Epoche ausgiebig recherchiert und rezipiert habe. Das öffentliche Bild, das von den Menschen des neunzehnten Jahrhunderts entstanden ist, ist so weit verbreitet, wie unvollständig. 

Die typischen Marker sind Damen in bis zum Kinn zugeknöpften Kleidern, Herren, die beim Anblick eines weiblichen Fußknöchels in Ohnmacht fallen, ein hohes Moralempfinden und verklemmte Sexualität. Die Menschen des neunzehnten Jahrhunderts aber waren komplexer, viel komplexer, als uns Filme, Romane und teilweise populärwissenschaftliche Dokumentationen weismachen wollen. Ich habe Gaiety Girl ins Leben gerufen, um mit einigen dieser falschen Klischeebilder aufzuräumen und, obwohl auch ich eine populärwissenschaftliche Herangehensweise wähle, hoffe ich, dass es mir trotzdem gelingt, ein vollständiges und vor allem authentisches Bild der Epoche zu zeichnen.

Was sich jeder angehende Experte für das neunzehnte Jahrhundert zu Herzen nehmen sollte, bevor er seine Reise in die lange, spannende Epoche beginnt ist, dass immer mehr dahinter steckt, als auf den ersten Blick sichtbar ist.  Das neunzehnte Jahrhundert ist eine komplexe, rasante Zeit und es braucht einiges an Interesse und Ausdauer, um sie zu verstehen zu lernen. Mit diesem Artikel kann ich daher keinesfalls alle Werkzeuge dafür zur Hand geben, aber ich kann vielleicht den Anstoß geben, sich tiefer mit Zeit und Menschen zu beschäftigen, unter die Oberfläche zu blicken. Hinter den Vorhang. Denn eins verunsichert viele Menschen nicht selten: Die infame Doppelmoral des neunzehnten Jahrhunderts. Ja, wir sehen in manchen Primärquellen aus der Epoche den moralisch gefestigten, unantastbaren Viktorianer. Doch wir müssen weiterschauen. Er ist ein Idealbild und genau wie es auch heute noch mit Idealbildern ist, hat kein lebendiger Mensch das Ideal wirklich erreichen können – oder erreichen wollen. Ich möchte heute kurz die gängigsten Klischees anreißen.

„Die Viktorianer haben nie gelächelt – Sie waren steif und humorlos.“

Schaut man sich viktorianische Portraitfotografien an, stehen und sitzen Männer, Frauen und Kinder oft mit gradem Rücken dar, lächeln nicht und tragen makellose Kleidung. Das Unverständnis für diese Art der Fotografie hat ein Stereotyp heraufbeschworen, das sich hartnäckig hält und hält: Die Menschen des neunzehnten Jahrhunderts müssen streng und humorlos gewesen sein. Doch natürlich greift der Grund für die verschlossenen Gesichter tiefer: Nämlich in die Klassengrenzen der viktorianischen Ära. Wer etwas auf sich hielt, der grinste und lächelte nicht auf Portraits und Fotografien. Nicht, weil er oder sie keinen Humor hatte, sondern viel eher, weil es als fein galt. Die Zähne zu zeigen galt schlicht und ergreifend als ungehobelt und schlechtes Benehmen. Es war etwas, dass die unteren Klassen taten, das in den Augen der gehobenen Schichten allerdings albern und grobschlächtig aussah. Wenn heute jemand auf einem Foto eine komische Grimasse schneidet oder übertrieben grinst, haben wir diese Assoziation tatsächlich immer noch. Für die Menschen des neunzehnten Jahrhunderts ging sie eine Spur weiter. 

Doch mit Humorlosigkeit oder Strenge hat das wenig zu tun. Dazu kommt, dass eine Fotografie im Gegensatz zu heute kein Wegwerfobjekt war. Sie war für immer gedacht und selbst wohlhabende Menschen ließen sich selten fotografieren: Das Bild war kein moderner Schnappschuss, sondern eine Repräsentation der fotografierten Person, die ausdrückte, was für ein Mensch er oder sie war. Ein schönes, ernstes, gepflegtes Bild war den Menschen daher natürlich lieber, als eine alberne Fotografie, auf der die Zähne zu sehen waren. Auch ärmere Menschen, die vielleicht einmal im Jahr oder sogar seltener das Geld ausgaben, eine Fotografie anfertigen zu lassen, grinsen selten auf den Bildern, obwohl sie es im echten Leben natürlich getan haben werden, aus demselben Grund. Dass die Menschen wegen schlechter Zähne nicht gegrinst haben, ist ein Trugschluss: Schlechte Zähne waren wegen der noch nicht so weit entwickelten Zahnmedizin so häufig, auch in den höheren Schichten, dass sie nicht als Makel verstanden wurden. 

Schaut man unter die Oberfläche, vorbei an den professionellen Fotografien, findet man allerdings eine ganze Reihe von Schnappschüssen, besonders aus der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und dem beginnenden zwanzigsten Jahrhundert, als das Fotografieren günstiger und unkomplizierter wurde. Und hier sieht man die Viktorianer auch lachen, sich bewegen, albern sein. Es war den Viktorianern erlaubt Spaß und Freude zu zeigen, lustig zu sein, zu lachen. Doch eine professionelle Fotografie war ein Rahmen, in dem diese Albernheit unerwünscht war. Von Fotografien allerdings auf die Werte und Ideale einer gesamten Gesellschaft zu schließen, ist gefährlich, denn man sitzt viel zu leicht Trugschlüssen und falschen Fakten auf, die sich wie Lauffeuer im Internet verbreitet haben und für bare Münze genommen werden. Diese gehen so weit, dass vielen Menschen Bilder von Menschen in der Kleidung des neunzehnten Jahrhunderts, die lachen, merkwürdig vorkommen. Vielleicht, weil es nicht in das Bild passt, das sie von der Ära haben. Vielleicht auch, weil es die Menschen lebendig wirken lässt, echt. 

Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass die Menschen des neunzehnten Jahrhunderts sehr wohl Humor hatten. Jedoch ist es der Humor einer anderen Gesellschaft, den wir heute vielleicht kaum noch nachvollziehen können, basierend auf anderen kulturellen und gesellschaftlichen Umständen und Normen. Um noch einmal zu den Fotografien zurückzukommen: Zum Beispiel war es durchaus sehr beliebt, durch frühe Fotomanipulation Spaßfotos zu erstellen: So gab es eine Zeit lang die Mode, sich zum Beispiel mit dem Kopf unter dem Arm darstellen zu lassen. Desweiteren liebten die Viktorianer komische Theaterstücke und Burlesquen, es gab Satiremagazine, komische Romane und Witze, die die Runde machten, Karikaturen und dergleichen mehr. Kurz könnte man sagen: Die Menschen des neunzehnten Jahrhunderts waren keinesfalls humorlos. Sie hatten einen anderen Humor, den wir heute vielleicht oft nicht mehr verstehen können. Eine ausgestopfte Maus in einer Weihnachtskarte finden wir heute sicherlich nicht mehr lustig. Die Viktorianer aber haben über solche Späße herzhaft gelacht. 

„Die Viktorianer waren verklemmt, prüde und streng.“

Dies ist ein Stereotyp, der sich schwerer von der Hand weisen lässt. Ja, die Menschen im neunzehnten Jahrhundert wollten um jeden Preis respektabel sein. Es gab strenge gesellschaftliche Regeln, Etiketten und sehr schmale Rollenbilder und Muster, in die Männer und Frauen zu passen hatten. Hier komme ich erneut auf das Ideal zu sprechen, das ich oben erwähnt habe: Im Gegensatz zu heute, war das Ideal eine sehr schmale Schublade, so schmal, das wirklich niemand hineingepasst hat. Es ist wichtig zu verstehen, dass viele Menschen des neunzehnten Jahrhunderts an den krassen Rollenbildern und Idealen ihrer Zeit zerbrochen sind. Es ist auch wichtig zu verstehen, dass ein Idealbild niemals die Menschen widerspiegelt, die in einer Gesellschaft leben. Meiner Meinung nach ist dieser hier der gefährlichste Trugschluss, zu dem Menschen kommen, wenn sie über die viktorianischen Jahre sprechen. Er macht Schicksale, wichtige Aspekte und kontroverse Diskurse des neunzehnten Jahrhunderts unsichtbar.

Der respektable Viktorianer kennt in den Augen vieler Menschen weder Prostitution, noch Pornografie, noch hat er Spaß an Sex, noch weiß er, dass Homosexualität und Bisexualität existieren, noch kann er den Anblick eines nackten Körpers akzeptieren. Diese Darstellung der Epoche finde ich gefährlich. Es ist wahr, dass die viktorianische Moral ein Ablehnen alles Sexuellen und ganz besonders des in den Augen des Viktorianers sexuell Verwerflichen vorsah. Sexualität sollte unterdrückt werden. Die Viktorianer hatten ganz gewiss ein gestörtes Verhältnis zur eigenen Sexualität – das bedeutet nicht, dass sie gar keine hatten oder, dass jeder Mensch tatsächlich geglaubt hat, Sexualität sei etwas Schlechtes. Viktorianische Männer, respektable, in der Gesellschaft angesehene Männer, haben Bordelle besucht. Tatsächlich war die Prostitution in London im neunzehnten Jahrhundert ein so großes Problem, dass die Regierung verzweifelte Maßnamen traf, um sie einzudämmen. Die Menschen lebten mit der Prostitution. Auch feine Mitglieder der High Society wussten von der Prostitution. Männer aus den höchsten Kreisen besuchten Prostituierte. Das Leben mit der Prostitution ist ein Punkt, der zum viktorianischen Zeitalter fest dazu gehört, etwas, das für viele Menschen aufgrund von Stereotypen nicht möglich scheint.

Auch Pornografie gab es. Wie Sand am Meer tatsächlich. Natürlich wurde sie unter der Hand gehandelt und es wurde nicht öffentlich darüber gesprochen – obwohl man sich wohl sicher sein kann, dass Herren und Damen im Privaten sehr wohl darüber gesprochen und vielleicht sogar Schriften und Bilder getauscht haben. Sehr bekannt ist das viktorianische pornografische Magazin „The Pearl“, aber auch pornografische Fotografien wurden gehandelt. Wer aber glaubt, bei viktorianischer Pornografie müsste es sich um Bilder von entblößten Frauenknöcheln und dergleichen handeln, irrt und steckt noch immer viel zu tief im Bild, das die Medien von dem Jahrhundert malen. Viktorianische Pornografie ist, um es ganz offen zu sagen, hart. Sie umfasst nicht selten krasse Gewaltfantasien. Dies dürfte das Produkt einer Gesellschaft sein, die alles Sexuelle zu Verstecken versucht und als etwas Schmutziges versteht. Aber im Gegensatz zur allgemeinen Annahme, die Menschen dieser Gesellschaft würden naiv und „respektabel“ sein, ist es wohl eher so, dass das Verbot die Menschen reizt: Allein der Gedanke, etwas Verbotenes zu tun, ist aufregend und je Verbotener, umso besser. Der Viktorianer an sich ist also auf keinen Fall so prüde, verklemmt und streng, wie das Idealbild der Epoche es uns weismachen will: Viel eher spielt er nach außen hin diese Person und geht allem Verruchten, Verbotenen im Geheimen nach.

Burlesquetänzerin Eugenie Raul
Quelle: McCaghy Collection 
An sich ist es sehr schwer überhaupt Aussagen über das viktorianische Verhältnis zu Sexualität und dergleichen zu treffen. Anhand von Ephemera wie erhaltenen Fotografien oder Tagebüchern lässt sich sicherlich einiges ablesen, doch die Viktorianer haben genau wie alle anderen Gesellschaften – auch unsere moderne – gut gesteuert, welches Bild die Nachwelt von ihnen behalten sollte. Ein weiteres Beispiel sind natürlich die Tänzerinnen, die in viktorianischen Burlesquen und später im amerikanischen Vaudeville in engen oder knappen Kostümen auftraten, um Mitglieder aller gesellschaftlichen Schichten zu unterhalten. Die Schauspielerin selbst wurde für den Großteil des neunzehnten Jahrhunderts als kaum besser als eine Prostituierte betrachtet, doch für Mitglieder der höheren Schichten war es trotzdem völlig akzeptabel sich die manchmal durchaus kruden Vorstellungen anzusehen. Dasselbe gilt übrigens auch für das skandalöse Moulin Rouge in Paris. Der Club, der für britische Adelige zum Touristenziel Nummer Eins wurde, über das in begeisterten Briefen nach Hause geschrieben wurde, galt trotz seiner Skandale keinesfalls als anstößiges Ziel, obwohl hier Frauen beim Tanzen die Beine entblößten. 

Darüber hinaus war ästhetische Nacktheit schon lange kein Tabu mehr. Der Viktorianer an sich erschrickt nicht beim Anblick eines nackten Körpers. Künstlerische Nacktheit ist makellos: Sie zeigt Menschen, die dem Schönheitsideal der Epoche entsprechen. Deshalb wirken nackte Menschen in der Malerei des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts nicht selten künstlich: Sie sind makellos schön, haben keine Körperbehaarung und oft auch keine Geschlechtsmerkmale. Diese Art der Nacktheit kann öffentlich ausgestellt werden, sie ist nicht anstößig. Anstößig hingegen, zumindest im öffentlichen Raum, ist menschliche, reale Nacktheit. Hieraus resultiert zum Beispiel, dass Körperbehaarung für die Viktorianer etwas Erotisches, Anziehendes war. Etwas, das in der Kunst nicht gezeigt werden durfte und zur echten, anstößigen Nacktheit gehörte. Um 1900 begannen die ersten Künstler im Rahmen des Expressionismus echte Nacktheit darzustellen, samt Imperfektionen, Körperbehaarung, Geschlechtsmerkmalen, aber auch zum Beispiel der Menstruation oder Geschlechtsverkehr. Diese neue Kunst wirbelte die Gesellschaft durchaus auf, fand im Gegenzug jedoch auch sehr viele Anfänger. Und das bringt mich zu meinem Fazit. 

Schlusswort - Der ideale Viktorianer gegen den echten Viktorianer 

Worauf ich hinaus möchte ist, dass die Epoche komplex ist und diese Komplexität beachtet werden muss, wenn man sich mit ihr auseinandersetzt. Was bedeutet das im Endeffekt? Es bedeutet, dass es den idealen Viktorianer nicht gibt. Auf den ersten Blick erscheint das nicht erwähnenswert und logisch, doch schaut man sich moderne historische Romane und Filme an, bekommt nicht selten bloß das Idealbild präsentiert und weniger die komplexe, tiefgreifende Realität der Epoche. In vielen Fällen geschieht das nicht einmal aus Unwissen, sondern mit voller Absicht. Autoren oder Filmemacher geben den Leuten, was sie erwarten. Wer sich aber ernsthaft in das lange neunzehnte Jahrhundert stürzen will, der sollte sich immer wieder vor Augen rufen, wie vielschichtig und groß das Feld ist. Menschen sind immer Menschen. Und natürlich sind Menschen immer von ihrem sozialen Umfeld geprägt, von der Moral ihrer Gesellschaft und den gesellschaftlichen Umständen. Und trotzdem sind sie niemals alle gleich. Vom viktorianischen Mann, der Sexualität tatsächlich für etwas Schmutziges, zu Unterdrückendes hält, keine Pornografie konsumiert und respektabel lebt bis zum jungen Adeligen, der im Geheimen Prostituierte besucht, pornografische Schriften liest und bloß nach außen hin den Schein von Respektabilität aufrecht erhält, hat es alles gegeben und dazwischen immer Graustufen und Menschen, die aus dem Raster fallen.

Anders wären die Sozialreformen des Jahrhunderts nicht möglich gewesen. Die Antimoden, die Dandybewegung, die Bohèmiens des fin de siècle, die Frauenbewegung, die Expressionisten und viele weitere Bewegungen, Reformen und Menschen, die das neunzehne Jahrhundert nicht geprägt haben, weil sie ideale Viktorianer waren, sondern, weil sie aus der Reihe gefallen sind und die Gesellschaft in eine neue Richtung gedrängt haben. Diese Menschen, Bewegungen und Schicksale sind es, die ich auf Gaiety Girl neben einem kritischen Blick auf Normen und Ideale der Epoche vorstellen möchte. Ich hoffe, dass euch dieser kleine, keineswegs vollständige Abriss neugierig gemacht hat und vielleicht zu eigenen Recherchen anregt und, dass mein Blog in ein paar Monaten bereits ein umfangreiches Bild zur Epoche bietet, das nicht bloß alte Stereotypen und Irrglauben repräsentiert, sondern auch mit ein paar Mythen brechen und die Komplexität der Epoche darstellen kann. 

Selbst nachlesen?

Bayley, S.: Victorian Values. An Introduction. 2008.

Wilson, A.N.: The Victorians. 2001. 

Kommentare:

  1. Die Bilderserie ist wirklich furchtbar süß. :D
    Ich kann dir nur zustimmen. Die Ahnungslosigkeit kommt aber auch sicher daher, dass diese Zeit so gut wie nie in Hinblick auf die Menschlichkeit Schülern nahe gebracht wird. Wie lange wird immer auf den Römern und Griechen herum geritten, dann kommt mal schnell das Schlagwort Industrielle Revolution, bissl Flaggenen verbrennen in Frankreich wie Deutschland, Weimarer Republik und dann wird wieder ewig auf der Nazi-Zeit herum geritten -- wenn man Glück hat, kriegt man noch das danach mit, aber ist eher selten. Schade, sehr schade.
    Und dann bleibt das Halbwissen, was gar kein Wissen ist, weil man sich privat nicht weiter bildet. Aber wem will man das schon verdenken. Ich setz mich in meiner Freizeit ja auch nicht mit Politik in den tiefsten Tiefen auseinander. ;D

    Nur, wie du schon sagtest -- wenn man etwas schreiben/zeichnen/entwerfen will, das in dieser Zeit angesiedelt oder inspiriert ist, ja, da sollte man schon über das Halbwissen hinaus gehen. Wenn man denn nicht nur von Leuten gelesen werden will, die nur das Klischee verlangen.

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  2. Da sprichst du einen Punkt an, der mir so noch gar nicht in den Sinn gekommen ist. Ich hatte in Geschichte niemals Englische Geschichte in der Schule, bei mir kommt das alles eher aus Interesse (wobei ich eh glaube, dass man sich allein, wenn man interessiert ist, eh viel mehr beibringt, als das in der Schule geleistet wird). Ich hatte ganz kurz Industrielle Revolution in Englisch als ich so 14 war und habe damals nur Bahnhof verstanden, weil es auch völlig aus dem Kontext gerissen war. Viele Leute wissen auch gar nicht, was gemeint ist, wenn man von den Viktorianern spricht.

    Na ja, es kann ja auch keiner erwarten, dass jeder alles weiß. Aber mich macht es immer traurig, wenn ich Bücher in die Finger kriege, die über dieses Äußere, Oberflächliche nicht hinweggehen und sich an jedem Klische ergötzen. Dadurch wird zwar ein Bild von der Zeit gemalt, wie es den meisten vorschwebt, aber eben auch ein arg konstruiertes und keinesfalls realistisches.

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  3. In welcher Zeit sind denn diese beliebten Was-der-Butler-sah Geräte aufgekommen, mit denen man sich auf dem Jahrmarkt ein paar mild pornographische Bilder anschauen konnte? Das müssen doch auch die Viktorianer gewesen sein, wenn ich mich nicht irre… Ich wäre nie auf die Idee gekommen, diese Leute für prüde zu halten, nur weil sie ihre Sexualität nicht so öffentlich auslebten. Danke für den schönen und informativen Artikel!

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  4. Meinst du die Guckkästen? Diese Dinger, in die man reingeguckt hat und auf Knopfdruck kam ein neues Bild? Die gibt es schon sehr lange, aber "in" wurden sie so gegen 1750. Der Höhepunkt war dann wohl tatsächlich das viktorianische Zeitalter, wo man die auf jedem Jahrmarkt hatte und wo in London sogar Bettler welche hatten und gegen ein bisschen Geld durfte man dann reingucken. Danke für das Lob. :)

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