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Von Opium & Tight-Lacing: 5 viktorianische Mythen

"Die Haschischraucher" - Gaetano Previati, 1887
Es gibt sie in allen Ausführungen, Formen und Farben: Mythen zum viktorianischen Zeitalter. Und, wie ihr vielleicht wisst, räume ich genau mit denen liebend gern auf. Das war meine Motivation hinter "Gaiety Girl", ganz am Anfang, und ich mache es immer noch gern. Denn diese Mythen sind nicht etwa etwas, das nur von Laien weitergetragen wird. Sie begegnen uns unter anderem in doch ordentlich recherchierten Romanen und Filmen, manchmal sogar in Literatur von Historikern, aber eben doch am Allerhäufigsten im Internet. Die Sache ist die: Manche Mythen gibt es bereits so lange, dass sie schwer vom historischen Fakt zu unterscheiden sind. Auf manche bin ich auch selbst schon reingefallen, besonders zum Anfang meiner Zeit als "Gaiety Girl". Das ist ja das Gemeine an ihnen. Man kann sie oft nicht direkt als Mythen erkennen. Da das "Gaiety Girl" jetzt eine sehr lange Pause gemacht hat, dachte ich, es wäre nett zum Wiedereinstieg noch einmal ganz kompakt und übersichtlich mit den hartnäckigsten Mythen zum langen viktorianischen Zeitalter aufzuräumen. Ein paar meiner Punkte habe ich schon ausführlicher besprochen, andere Punkte auf der Liste sind neu. Aber ich möchte jetzt gar nicht zu lang um den Kern der Sache herumreden. Los geht's! 

[Blogtour] Dare Not Speak Its Name - Queere Identität im historischen Roman


Im historischen Roman sind LGBTQ-Figuren leider noch immer eine Seltenheit. Autoren wie Diana Gabaldon, Floortje Zwigtman und Jan Gillou machen zwar vor, dass es auch anders geht, doch für viele Autoren von Romanen mit historischem Setting scheint es noch undenkbar zu sein Figuren einzubauen, die wir heute der LGBTQ Community zuordnen würden. Im Rahmen von Meara Finnegans Blogtour mit dem Thema „Phantastische Realität“ möchte ich mich heute mit der Aufarbeitung queerer Geschichte im historischen Roman beschäftigen, sowie mit den historischen Hintergründen und warum es gerade im historischen Roman wichtig ist, LGBTQ-Geschichte nicht unter den Teppich zu kehren.

Der Fall Gouffé - Ein Medienspektakel der Belle Époque

Darstellung der Ereignisse im Petit Journal vom
20. Dezember 1890, Henri Meyer
Am 26. Juli 1889 wird der Gerichtsdiener Toussaint-Augustin Gouffé aus Montmartre vermisst gemeldet. Am 15. August desselben Jahres wird weit weg von Paris, in Vernaison bei Lyon, ein großer Stoffbeutel unter einem Busch am Straßenrand gefunden. Darin befindet sich die Leiche eines Mannes. Im November kann der Arzt Alexandre Lacassagne mithilfe von Haarproben und eines brandneuen forensischen Vorgehens mit Sicherheit feststellen, dass es sich bei dem Toten um den vermissten Gouffé handelt. Der Mann aus Paris wurde erdrosselt. Doch was ist passiert? Wer hat Gouffé ermordet und wie kam seine Leiche von Paris bis nach Lyon?

Aus dem Mord an Toussaint-Augustin Gouffé wird das wohl größte französische Medienspektakel der Belle Époque. Dass der Tote aus Paris stammte und im Juli ermordet worden sein musste, ließ sich anhand einer großen Holzkiste feststellen, die zwei Tage nach dem Toten in der Nähe des Fundorts gefunden wurde: Ein Zettel an der Kiste bewies, dass die Kiste am 27. Juni 1889 mit der Bahn von Paris nach Lyon gelangt war - und der tote Gouffé mit ihr. Befragungen der Nachbarn und möglicher Zeugen ergaben, dass zwei bekannte Betrüger in der Nähe des Gerichtsdieners gesehen worden waren: Michel Eyraud und die erst 21-jährige Gabrielle Bompard. Noch verdächtiger war, dass das Paar am 27. Juli Hals über Kopf die Stadt verlassen hatte. Nach den Untersuchungen im November wurde aus dem Verdacht Gewissheit: Ein Londoner Schreiner gab an, die Holzkiste früher im Jahr an Eyraud und Bompard verkauft zu haben. 

Sarah Bernhardt - Die Königin der Bühne

Sarah Bernhardt, gemalt von Georges Clairin, 1871
Um den 22. Oktober 1844 herum wird Sarah Bernhardt als Sara Marie Henriette Rosine Bernardt in Paris geboren. Noch weiß niemand, dass aus der kleinen Sara eine der bedeutensten Schauspielerinnen nicht nur der Belle Époque, sondern aller Zeiten werden wird. Sie ist die Tochter einer bekannten Pariser Kurtisane, wer ihr Vater ist, ist unbekannt.Sarahs Mutter, Julie Bernardt, schickt ihre Tochter als junges Mädchen auf eine Klosterschule in der Nähe von Versailles. Später wird Sarah im Conservatoire de Paris unterrichtet, einer Schule für Gesang, Schauspiel und Theater, bevor sie dem Staatstheater Comédie-Française beitritt. Hier hat sie 1862 im Alter von achtzehn Jahren ihren ersten richtigen Bühnenauftritt. 

Sie spielt die Hauptrolle in "Iphigénie", einem Stück des französischen Autoren Jean Racine aus dem frühen Barock. Lange spielte sie die Rolle allerdings nicht: Die Kritiker waren nicht begeistert und nachdem Sarah eine andere Schauspielerin, die mit ihrer Schwester in Streit geraten war, geschlagen hatte, wurde sie vom Theater ausgeschlossen. Nach diesem Rückschlag scheint Sarahs Karriere vorbei: Sie wird Kurtisane, wie ihre Mutter, und bald zählen viele einflussreiche Männer zu ihren Bewunderern. So auch ein hoher belgischer Adeliger, der Prince de Ligne, dem sie mit rund zwanzig Jahren einen Sohn gebährt. Der Prince möchte Sarah heiraten, seine Eltern lassen allerdings nicht zu, dass er eine Kurtisane zur Frau nimmt und die Beziehung zerbricht. Im Jahr 1866 verschlägt es Sarah an das Théâtre de l'Odéon, ein weiteres französisches Staatstheater in Paris. Und hier beginnt ihre Geschichte. 

Effie Gray - Das Liebesdrama des Jahrhunderts

Euphemia Gray, gezeichnet von
Thomas Richmond, 1851
Am zehnten April des Jahres 1848 heiratet John Ruskin, angesehener Kunstkritiker, Schriftsteller und Künstler des frühen viktorianischen Englands, die neun Jahre jüngere Euphemia Gray, die Tochter eines Freundes seiner Familie. Euphemia, kurz Effie, war keine Fremde für Ruskin. Tatsächlich schrieb er seinen Roman "Der König des Goldstroms", ein Kunstmärchen, für die damals zwölfjährige Effie. Die Heirat aber war nicht Ruskins eigene Idee, sondern wurde den beiden von Familie und Freunden nahegelegt, da man durch die enge Bindung zwischen den beiden davon ausging, dass sie ein gutes Paar abgeben würden. 

Effie war an ihrem Hochzeitstag zwanzig Jahre alt, John Ruskin bereits neunundzwanzig. Inwieweit die beiden Partien glücklich mit der Entscheidung zu heiraten waren, ist nicht genau zu sagen. Es ist aber anzunehmen, dass besonders John Ruskins romantisches Interesse an Effie bald abklang, denn auf ihren gemeinsamen Reisen auf den europäischen Kontinent soll er sich lieber zurückgezogen und die Architektur studiert haben, als mit Effie zu sozialisieren. Tatsächlich soll er von Beginn an daran interessiert gewesen sein, seine Ehefrau wieder loszuwerden. Woran das lag, lässt sich heute nur noch spekulieren. Ruskin selbst soll gesagt haben, dass er Effie als Person langweilig gefunden hat, Effie schrieb später in einem mittlerweile berühmtberüchtigten Brief, dass John in der Hochzeitsnacht eine Eigenart ihres Körpers abstoßend gefunden hätte. Klar scheint zu sein, dass das Paar bereits in der Hochzeitnacht bemerkt haben soll, dass sie nicht füreinander geschaffen waren, denn die Ehe wurde nie vollzogen. Aber ist das wirklich so?

Mode 1910: Zwischen Krieg & Korsett


Die 1910er sind ein bewegtes Jahrzehnt. Sie beenden die Belle Époque, sie beenden das edwardianische Zeitalter, sie beenden das deutsche Kaiserreich und die Ära der Romanows in Russland. Der politische und gesellschaftliche Umbruch, auf den Europa schon seit einigen Jahrzehnten zuschlittert, kommt plötzlich und verändert innerhalb weniger Jahre die Welt komplett. Im Jahr 1912 sinkt die Titanic und reißt rund 1500 Menschen mit sich in die Tiefe. Zwei Jahre später wird in Sarajevo der österreichische Thronfolger erschossen. Der erste Weltkrieg beginnt und dauert von 1914 - 1918, ein Krieg, wie er vorher noch nie dagewesen war. 1916 leitet das Easter Rising die Unabhänigkeit Irlands von Westminster ein.

1917 beendet die Oktoberrevolution die Zarenzeit in Russland, 1918 dankt der deutsche Kaiser ab. Doch nicht nur ist Europa durch den Krieg und große politische Umwälzungen erschüttert, auch schreitet die Technik immer weiter voran. Das Radio gewinnt an Einfluss und Beliebtheit, Albert Einstein stellt seine Relativitätstheorie vor, die ersten langen Spielfilme werden gedreht und die Kunst wird revolutioniert durch neue, moderne Formen. Kubismus, Expressionismus und Dada schocken die Menschen. Europa steht an der Schwelle eines neuen Zeitalters und so schnell, wie sich die Gesellschaft des Jahrzehnts wandelt, so schnell macht auch die Damenmode den großen Schritt ins zwanzigste Jahrhundert mit, denn wie immer spiegeln sich politische und gesellschaftliche Ereignisse in der Kleidung. Gegen Ende des Jahrzehnts endet die Belle Époque entgültig und leutet das Jazz Age ein, die goldenen Zwanziger Jahre. 

Weihnachten in der Belle Époque

"Junge Frau dekoriert den Weihnachtsbaum" von
Marcel Rieder, 1898
Heute ist Heilig Abend. Ich hoffe, dass ihr ein schönes Weihnachtsfest verbringt, mit allem, was dazu gehört, gutem Essen, schöner Musik und ein paar Geschenken. Auch allen Lesern, die kein Weihnachten feiern, möchte ich ein paar schöne Wintertage wünschen. Zündet ein paar Kerzen an und macht es euch gemütlich, mit einem schönen Buch oder dem Gaiety Girl. Heute möchte ich euch erzählen, wie die Viktorianer Weihnachten gefeiert haben. Denn viele der Weihnachtstraditionen, die wir heute noch pflegen, stammen aus dem neunzehnten Jahrhundert.Welche das sind, erfahrt ihr jetzt.